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Über alle Erwartungen hinaus

Ein wichtiges Spiel beginnt nicht mit dem Anpfiff in der Halle, sondern schon am Abend davor. Deshalb haben wir uns am Samstagabend zum Bowling verabredet und präsentierten uns gegenseitig die jeweiligen Bowlingkünste. Es kristallisierten sich diverseste Spielertypen heraus. Vom Pin-Zerstörer, über den Bandenkuschler bis hin zum unerklärlichen Abräumer war alles vertreten. Nachdem die erste Runde gespielt war, wurde klar: nächstes Mal gehen wir doch lieber ins Hallenbad. Da kann man sich wenigstens nicht die Finger brechen und niemand wird anderweitig gefährdet. Fertig mit Bowlen, ab ins Bett. So war der Plan. Plan war es auch mal, einheitliche Trikothosen zu organisieren um noch professioneller zu wirken. Beide Pläne sind verworfen worden und so ging jeder seinen individuellen Weg in den Abend.

Allen Erwartungen zum Trotz erschienen dennoch alle pünktlich und fit zum Treffpunkt am frühen Sonntagmorgen. Die Hohberghalle wurde noch nie so schnell und engagiert spielfertig aufgebaut und die Motivation war von Anfang an hoch und klar zu spüren. Jeder einzelne wusste, dass an diesem Tag der Gewinner als Meister aus der Halle gehen wird.

Nachdem das ein oder andere Problemchen beim Umziehen gelöst wurde und kein passendes Verbindungskabel für die Hallenanlage vor Ort war, mussten wir uns mit externem Lautsprecher und Schlager-Evergreens warm machen. Dem Trainer Alexander Hezinger gefiel dies ausgesprochen gut und er konnte sogar textsicher mitsingen. Heute Evergreen, seinerseits Charts.

Zu diesem Zeitpunkt waren noch kaum Zuschauer auf der Tribüne, die unser berühmtes Warm-Up Programm bestaunen konnten, aber das sollte sich noch drastisch ändern. Nach dem Aufwärmen versammelten wir uns nochmal in der Kabine und machten uns klar, dass wir heute nur gewinnen können. Wir erfuhren, dass das gesteckte Saisonziel schön längst erreicht wurde. Uns erreichte diese Information aber erst zu diesem Zeitpunkt, was uns aber nicht aus der Konzentration warf. Taktische Aspekte und die Aufstellung wurden noch fix verkündet und wir hatten noch kurze Zeit unter uns. „Wir stehen unter einem Apfelbaum und sind groß genug, den Apfel zu nehmen. Und wir nehmen uns den Apfel!“ ertönte es metaphorisch aus dem Mannschaftskreis und wir gingen heiß aufs Feld. Die verlorene Platzwahl sollte der letzte Rückschlag an diesem Tag bleiben.

Das Spiel begann und nun hat man erst bemerkt, wie voll die Tribüne eigentlich war. Diese war voraussichtlich das letzte Mal so gut besucht, als die Borussia Düsseldorf gegen den SV Plüderhausen im Tischtennis spielen durfte. Einfach überragend und natürlich noch ein Grund, warum bei uns heute am Ende mindestens ein Tor mehr auf der Anzeigetafel stand. Zu Beginn wurde erstmal unser Gegner aus Welzheim abgetastet. Die Gäste gingen das ein bisschen härter an und es wurde früh verwarnt. Schnell konnte man erkennen, dass wir heute nicht leicht durch die kompakte Abwehr stoßen können und andere taktische Raffinessen zeigen müssen. Nach zwei gehaltenen 7-Metern des Welzheimer Torwarts war dieser auch warm und spielte ein überragendes Spiel. Wir konnten bis zur Halbzeit eine stetige 2 Tore Führung halten, da wir allzeit über alle Positionen gefährlich waren und vor allem über Rechtsaußen grandiose Tore erzielen konnten. Der Halbzeitstand von 10:08 zeigte schon, dass das Spiel heute in der Abwehr gewonnen werden muss.

Es dauerte nicht lange, bis in der vielseitigen Halbzeitansprache von A. Hezinger die obligatorische Taktiktafel gezückt wurde. Weniger um den freigeistlichen Nutzen dieser zu verwenden, sondern mehr um seinen Sieg im weltbekannten Spiel Tic-Tac-Toe gegen Nils zu zeigen. Das sollte natürlich nicht der einzige sportliche Erfolg bleiben und so ging es noch motivierter zurück aufs Parkett.

Nach kleinen Schwierigkeiten mit der Periode der Hallenuhr konnte mit fachmännischen Tricks doch noch Halbzeit zwei angepfiffen werden und es ging so weiter, wie es aufgehört hat. Der Abstand tendierte eher, etwas größer zu werden und die Luft für die Welzheimer wurde mit der Zeit immer dünner. Lag das daran, dass Plüderhausen kein staatlich anerkannter Luftkurort ist, so wie es die Gäste aus dem Welzheimer Wald behaupten können und dadurch die Wirksamkeit derer spezifischen Trainingsmethoden im tiefer gelegenen Plüderhausen kein Anklang fanden oder waren wir an jenem Tag einfach entschlossener und gewillter zu gewinnen? Entgegen aller vorherigen Erwartungen lagen wir 8 Minuten vor Schluss 5 Tore vorne und die Gäste versuchten noch einmal, mit einer Auszeit ihre Weichen neu zu stellen. Weit gefehlt und die letzten Minuten wurden sicher herunter gespielt. Mit einem 7-Meter Pfiff gegen uns kurz vor Schluss sollte dieses nervenaufreibende Handballspiel enden. Beim Spielstand von 26:22 zeigte uns die Hallenuhr die volle Spielzeit von 60 Minuten an. Nun konnte Seba seine herausragende Leistung unterstreichen und zeigen, dass er auch meisterlich Strafwürfe parieren kann. Denn es stand nun sicher fest: wir sind vorzeitiger MEISTER!!! Wie sollte es denn auch anders kommen, eine klasse abschließende Parade unseres Keepers und nun hieß es feiern! Die Halle stand Kopf und alle jubelten. Unser unerbittliche Wille und Teamgeist trug uns zu diesem Sieg und wir können nun befreit unser letztes Spiel in Schwaikheim bestreiten. Im Namen der Mannschaft bedanken wir uns noch herzlich bei den vielen Fans die sich die Zeit genommen haben, uns lautstark zu unterstützen.